Voller Einsatz für eine umweltschonende Hochseefischerei

Interview mit Horst Huthsfeldt, Kutterfisch-Zentrale GmbH

 

copyright: Kutterfisch-ZentraleHerr Huthsfeldt, die Kutterfisch-Zentrale hat kürzlich zwei neue Schiffe in Auftrag gegeben. Um was für Schiffe handelt es sich und wann stechen sie in See?

Die Flotte war mit einigen Schiffen, die aus dem Baujahr 1983 bis 1988 stammten, doch etwas in die Jahre gekommen. Deshalb haben wir uns für den Kauf zwei neuer Kutter entschieden, die momentan in Pontevedra, Spanien, gebaut werden. Gleichzeitig werden wir vier alte Schiffe aus der Flotte in Rente schicken. Die Kapazität der Flotte bleibt aber gleich, denn die älteren Schiffe hatten jeweils ca. 450 BRZ, während die neuen Schiffe mit 680 BRZ deutlich größer sind, dies kommt hauptsächlich dem Sozial- und Wohntrakt zugute, wie den Einzelkabinen mit Dusche und WC. Die Ladekapazität wird nur unwesentlich vergrößert. Das Besondere an den Neuzugängen sind die Katalysatoren mit Ad Blue-Zusatz, die wir bereits jetzt mit Blick in die Zukunft in die Schiffe einbauen. Wir wollen hier ein Zeichen für eine saubere und umweltschonende Fischerei setzen. Dementsprechend sind die Kutter auch mit einer Anlage für die Schmutzwasseraufbereitung ausgestattet. Mitte 2018 werden die beiden Schiffe fertig sein und nach Cuxhaven überführt, wo sie natürlich noch getauft werden. Danach finden sie ihren Einsatz in der kleinen Hochseefischerei im Atlantik bis 62° Nord.

Welche weiteren Maßnahmen nimmt die Kutterfisch-Zentrale vor, um nachhaltigen Fischfang zu betreiben?

Wie bereits angesprochen beschäftigen wir uns bereits jetzt mit künftigen Vorschriften für Emissionen, Treibstoffe und den Schutz der Meere. Denn die Diskrepanz zwischen Schifffahrt und anderen Verkehrsmitteln ist hoch: die 15 größten Schiffe der Welt stoßen so viel Schadstoffe aus wie sämtliche Autos auf der Erde zusammen. Deshalb setzen wir uns bereits seit 2008 für eine umweltschonende Hochseefischerei ein. Das betrifft nicht nur den Treibstoff, sondern auch den Fischfang selbst. Da die Vorgaben für Fangquoten von der Wissenschaft gemacht werden, haben wir auf unseren Kuttern Kameras und Sensoren installiert, die 24 Stunden am Tag aufzeichnen. Die Gesichter der Mitarbeiter werden einvernehmlich verpixelt und die Aufnahmen und Daten werden direkt per Satellit an das Johann Heinrich von Thünen-Institut in Rostock übermittelt. Gemeinsam mit der EU und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung wird dort beispielsweise untersucht, wie die Ökosysteme auf den Klimawandel reagieren, ob und wieviel Discard anfällt und wie sich die Lebensgemeinschaften der Meere verändern. Die Kutterfisch-Zentrale ist einer der wenigen Fischereibetriebe in Deutschland, die einen solchen Einblick in den Alltag auf den Schiffen gewährt und sich in diesem Maße an der Forschung beteiligt. Gleichzeitig sind wir für Seelachs, Dorsch und Hering mit dem Siegel des Marine Stewardship Council ausgezeichnet sowie Bio- und IFS-zertifiziert. Das bedeutet, dass wir uns dank vorbildlicher Managementpraktiken für den Erhalt von Fischbeständen und zum Schutz der Lebensräume im Meer einsetzen.

Gibt es in diesem Zusammenhang weitere Neuerungen, die Sie vorgenommen haben?

So ist es: Ein weiteres großes Problem bei der Verunreinigung der Meere sind die Plastikrückstände, die durch Nahrungsaufnahme großen Schaden bei Meeressäugern und Fischen verursachen können. Hier hat sich viel getan: Während früher schneller mal ein Netz durch Unterwasserhindernisse wie Wracks verloren ging, gibt es heutzutage die nötige Technik, den Meeresgrund sogar als 3D-Bild darzustellen, Hindernisse zu sehen und zu umfahren.  Darüber hinaus sind unsere Netze allesamt mit einer Art Blackbox und Sensoren ausgestattet, die ohne Wiederaufladung noch 48 Stunden ein Signal senden, mit dem wir das Netz lokalisieren können. So schnell geht bei uns kein Netz verloren – und das will auch keiner, glauben Sie mir! Mit der modernen Technik sind die Netze eine nötige aber auch teure Investition – ca. 100.000 € pro Netz. Das wäre ein großer Verlust. Wir betreiben seit Jahrzehnten in Cuxhaven eine eigene Netzfabrik, die Firma Cux-Trawl GmbH. Sie hat vier Jahre an dem Konzept für das Recyceln alter Netze gearbeitet und sich Anfang 2017 mit der dänischen Firma Plastix, ein Betrieb in der Nähe von Lemwig, zusammengetan. Bei uns in Cuxhaven wurde eine Sammelstation für alte Netze eingerichtet. Von dort werden die alten Netze nach Dänemark in die Recycling-Anlage gebracht, wo sie zu Granulat und dann beispielsweise zu Plastikrohren für Futtersysteme in der Aquakultur verarbeitet werden. Vor zwei Monaten haben wir die erste Ladung, ca. 75 Tonnen Netze, in Dänemark angeliefert.  

 

 

 

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