„Der Weg für Neugeschäfte ist geebnet“

Interview mit Cornelia Machulez, Geschäftsführerin der Herbert Machulez GmbH

Frau Machulez, Anfang Oktober hat die Herbert Machulez GmbH im Hafen einen leckgeschlagenen Arbeitsponton abgewrackt. Wie verlief die Operation und was sind die Herausforderungen bei solch kurzfristigen Notfall-Einsätzen?

Die Herausforderung besteht darin, dass kurzfristig entschieden werden muss, welches Equipment eingesetzt werden kann, um einen schnellen, reibungslosen, vor allem aber gefahrlosen Ablauf sicherstellen zu können.

Oftmals existieren keine präzisen Schiffsbaupläne von Arbeitsschiffen, die mehrfach modifiziert wurden, so dass die Gewichtsverteilung unbekannt ist. Die genauen Lokalitäten der Leckagen sind nicht identifizierbar und somit sind hinreichende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Zwingend ist die Erfahrung und das professionelle Zusammenarbeiten aller Beteiligten. In diesem Fall waren die Firma Empting Kranservice mit Herrn Brending, die Mitarbeiter der Firma Colcrete-von Essen sowie das Team des Schwimmkrans der Firma Züblin an der Bergung beteiligt.


Welchen Herausforderungen steht die Schrott- und Abwracker-Branche momentan gegenüber und wie wirkt sich dies auf Ihr Unternehmen aus?

Durch die anhaltende Schifffahrtskrise befinden sich die Preise für gebrauchte Schiffe auf einem sehr niedrigen Niveau. Folglich ist es lukrativer, den Schrottwert zu generieren als die Schiffe in Fahrt zu halten. Mehr als 1.000 Frachtschiffe werden pro Jahr ausgemustert und die meisten davon werden auf dem indischen Subkontinent abgewrackt. Leider findet das Abwrackgeschäft unter sehr fragwürdigen Umwelt- und Sozialbedingen statt. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, wurde bereits 2009 das „Hongkong-Übereinkommen“ verabschiedet. Dieses soll einheitliche Arbeitssicherheitsrichtlinien sowie den Schutz der Umwelt bei Schiffsrecycling festlegen. Leider wurde dieses bisher nur von sehr wenigen Ländern ratifiziert.

In der gegebenen Situation ist es deutschen Firmen nicht möglich, den Schiffseignern preislich attraktive Angebote zu unterbreiten. Es bleibt ein Nischen-Geschäft für Schiffe, die eine Fahrt in die indische Region nicht mehr durchführen können, beziehungsweise dürfen.


Welchen Ausblick haben Sie für Ihr Geschäft, auch mit Blick auf den Ausbau des Offshore-Geschäfts am Standort?

Als flexibler Logistik-Dienstleister können wir den individuellen Kundenanforderungen zuverlässig nachkommen. Der Liegeplatz hinter der Schleuse mit 77.000 Quadratmetern Lagerfläche bietet beispielsweise Wasserbauunternehmen mit ihren Arbeitsschiffen einen „sicheren Hafen“ mit gleichbleibendem Wasserstand. Somit ist an 365 Tagen, 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag Lade- sowie Löschverkehr möglich. Zertifizierte Baumineralien sowie Kolkschutzmaterialien werden für den Notfall vorgehalten und können mittels Portalkran und weiterer Hafenumschlagsgeräte jederzeit verladen werden. Schütt- und Stückgutumschlag, fachgerechte Lagerung wie auch eine Zwischenlagerung ist jederzeit möglich. Der anschließende Transport mit verschiedenen eigenen Spezial-Lkw zu dem neuen Offshore-Innovations-Gelände, welches nur rund einen Kilometer entfernt ist, bieten wir just-in-time als Logistikdienstleister an.


Neben der Schiffsabwrackung betreibt Ihr Unternehmen auch regulären Hafenumschlag, Tankreinigung, Lagerung und Onshore-Logistik. Welche Synergieeffekte entstehen für die einzelnen Geschäftsbereiche und wie hat sich die Firma in den letzten Jahren entwickelt?

Die Machulez Unternehmensgruppe bietet diverse Logistik-Dienstleistungen sowie einen vielseitigen Service „aus einer Hand“ an. Fachgerechte, zeitnahe und qualitative Handhabung der Güter mittels unseres speziellen Equipments, wie beispielsweise Portalkran, Hafenumschlagsbagger, Gabelstapler und Kompaktlader, ist garantiert. Als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb mit etwa 650 Containern und Spezialbehältern können wir den individuellen Kundenwüschen zur Ver- und Entsorgung termingenau gerecht werden. Unsere Flexibilität verbunden mit unserer Zuverlässigkeit haben unsere langjährigen Kundenbeziehungen intensiviert und Kooperationen mit anderen Logistik-Dienstleistern ermöglicht. Durch den stetigen Ausbau der Infrastruktur-Fazilitäten ist der Weg für Neugeschäfte geebnet, wie beispielsweise für die Insel- und Offshore-Versorgung.

 

 

 

 

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