Glänzende Perspektiven für Cuxhaven

Interview mit Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Vorsitzender des CDU Kreisverbands Cuxhaven

EnakFerlemann2013 Portrait Fotoneutral kleinHerr Ferlemann, der Bundesverkehrswegeplan 2030 enthält mehrere Infrastrukturprojekte, die für die Anbindung Cuxhavens wichtig sind. Welche Bedeutung hat es für die Stadt Cuxhaven und auch die Region, dass mehrere Projekte (A 20, B 73, Bahnanbindung) mit hoher Priorität berücksichtigt werden?

Die A 20 schafft im großräumigen Maßstab eine verkehrliche Verknüpfung der Beneluxstaaten, Skandinaviens sowie der Beitrittsländer zur Europäischen Union (EU). Außerdem dient die A 20 der Überwindung der räumlichen Trennung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen im Unterelbegebiet und der Verbesserung der Hinterlandanbindung der Häfen und der Erreichbarkeit der betroffenen Region. Durch die A 20 werden insbesondere die etwa parallel verlaufende A 1 Bremen – Hamburg und die betroffenen Ballungszentren maßgeblich entlastet. Die A 20 wird außerdem als westliche Umfahrung Hamburgs die Verkehrsnetze in der Metropolregion Hamburg entlasten und erheblich zur weiteren wirtschaftlichen Belebung des Unterelberaums beitragen. Gleiches gilt für die B 73 sowie die vorgesehene Elektrifizierung der Bahnstrecke Stade – Cuxhaven.

Für Cuxhaven hat sie damit eine ganz überragende Bedeutung. Bisher liegt Cuxhaven in einer halbinselartigen Randlage eher fern zu den großen Ballungszentren. An die rücken wir jetzt durch die A 20 heran. Damit werden Absatzmärkte für den Mittelstand erschlossen und Cuxhaven wird interessant für Ansiedlungswillige. Außerdem liegt Cuxhaven mit jährlich mehr als drei Millionen Übernachtungen an der Spitze aller deutschen Kurorte und ist zugleich das größte Nordseeheilbad Deutschlands. Viele Tagesgäste aus Richtung Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein kommen hinzu. Die wirtschaftliche Entwicklung des Tourismusstandorts Cuxhaven sowie der Region hängt vor diesem Hintergrund in ganz starkem Maße von der Erreichbarkeit und somit einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur ab. Der Neubau der A 20 in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen mit einer gemeinsamen Elbquerung bei Glückstadt / Drochtersen ist für den ganzen norddeutschen Raum von herausragender Bedeutung.

Wie kann Cuxhaven im Zuge des neuen EEG seine Wirtschaftlichkeit und Kompetenz im Offshore-Windenergie-Geschäft weiterhin erhalten? Ist ein Ausbau der Aktivitäten des Deutschen Offshore-Industrie-Zentrums Cuxhaven trotzdem möglich?

Wir sind in Cuxhaven sehr froh über die Entwicklung, die der Hafen zum Deutschen Offshore-Industrie-Zentrum genommen hat. Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal gewonnen. Für die wirtschaftliche Entwicklung Cuxhavens ist insbesondere die Ansiedlung von Siemens hervorragend. Die Entscheidung hat viel Optimismus in die Stadt getragen. Das neue EEG stellt keine Hürde für das Werk von Siemens dar, das hier derzeit errichtet wird. Denn der international agierende Siemens-Konzern stellt im Cuxhavener Werk vor allem Produkte für den Export her und die Neurege-lungen beeinflussen dieses Geschäft nicht. Aber der Heimatmarkt der Windenergiebranche ist durch die Gesetzesänderung betroffen. Deshalb muss an diesem Gesetz weiter gearbeitet werden. Wichtig ist vor allem, dass das Gesamtkonzept mit 15 Gigawatt weiterhin für die Offshore-Windenergie im Hinblick auf die zeitlichen Zielsetzungen der Energiewende bis 2030 Bestand hat und nicht verändert wurde. Damit hat Cuxhaven weiter glänzende Perspektiven.

Wie stehen Sie zur privaten Nutzung und Wohnbebauung des Hafens Cuxhaven?

Ich bin dagegen, den Hafen Cuxhaven – speziell den Alten Fischereihafen, der derzeit von NPorts verkauft werden soll – einem privaten Bieter zu überlassen. Deshalb hat die Stadt Cuxhaven im Rahmen des Bieterverfahrens auch ein Angebot abgegeben. Wir müssen erreichen, dass die Hafeninfrastruktur öffentlich bleibt. Die Entwicklung der Gewerbeflächen für Handel und Handwerk ist zu begrüßen. Eine Wohnbebauung aber muss ausgeschlossen werden, denn sie wäre eine Behinderung für die Entwicklung der Fischwirtschaft und auch der allgemeinen Hafennutzung im Hinblick auf den Lärm und den Immissionsschutz.

 

 

 

Newsletter abonnieren