Ziel 2016: Das Wachstum beflügeln

Interview mit Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der Seaports of Niedersachsen GmbH

ionnen luebben c venturaFrau Onnen-Lübben, welche neuen Projekte und Veranstaltungen stehen für die Niedersächsischen Seehäfen 2016 auf dem Programm?

Für 2016 haben wir erneut ein breites Programm an Messen und Veranstaltungen entwickelt, bei denen wir unsere neun niedersächsischen Seehafenstandorte mit ihren vielfältigen Angeboten vorstellen werden. Im März haben wir erstmals als Aussteller an der „Automotive Logistics Europe Conference“ in Bonn teilgenommen. Der Umschlag von Neufahrzeugen sowie logistische und technische Dienstleistungen für Automobilhersteller gehören zu den Kernkompetenzen der niedersächsischen Seehäfen. Wir sehen im Geschäftsfeld „Automobil“ sehr gute Chancen auf weiteres Wachstum in den nächsten Jahren. Der direkte Kontakt zu den OEM, Zulieferern und Logistikern der Branche kann dies nur beflügeln.

Durch Messeauftritte bespielen wir wichtige Ländermärkte in Südamerika, China und den USA. Von sehr hoher Bedeutung ist für unsere niedersächsischen Seehäfen auch der Umschlag von massenhaften Stückgütern und Projektladungen, wie zum Beispiel Windenergiekomponenten. Um die Vernetzung mit Kunden aus diesen Bereichen weiter vorantreiben zu können, organisiert Seaports selbstverständlich wieder einen Messestand auf der „Breakbulk Europe“ in Antwerpen sowie auf der „WindEnergy“ in Hamburg. Auf beiden Veranstaltungen werden wir unsere Messepräsenzen gegenüber den Vorjahren deutlich vergrößern. Schließlich spielen wir in diesen Ladungssegmenten eine große Rolle – als Hubs für Stahl, Forstprodukte sowie andere Stückgüter und ganz besonders auch für die Windenergiebranche. Im Onshore- wie auch im Offshore-Bereich verfügen unsere Seehäfen an Ems, Jade, Weser und Elbe über große Erfahrungen und Expertise. Gerade Cuxhaven hat hier mit der Ansiedlung von Siemens, aber auch aufgrund der Einbindung in viele Offshore-Projekte, in jüngerer Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt und wird nicht umsonst das „Deutsche Offshore-Industrie-Zentrum“ genannt.

Weiterhin wollen wir einen stärkeren Fokus auf das Hinterland unserer Seehäfen legen. Seaports of Niedersachsen und die Container Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing Gesellschaft werden dazu eigene Vortrags- und Netzwerkveranstaltungen durchführen, auf denen wir Unternehmen innerhalb bestimmter Zielregionen darstellen wollen, wie sie von unseren Angeboten in den niedersächsischen Seehäfen profitieren können.

Eine vor kurzem veröffentlichte Pressemitteilung des ZDS stellte die Zahlen der gleitenden Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr vor und prognostizierte für 2016 eine Steigerung des deutschen Seeverkehrs um 2,4 %. Wie bereiten sich Seaports und die Häfen auf diese Entwicklung vor?

Erfreulicherweise können wir bereits für 2015 auf ein hervorragendes Umschlagsergebnis in unseren niedersächsischen Seehäfen blicken. Mit knapp 52 Millionen Tonnen allein im Seegüterverkehr ist das Umschlagsvolumen gegenüber dem Vorjahr um 12 % gewachsen. Wir konnten Steigerungen sowohl im wertschöpfungsintensiven Stückgutsektor als auch beim für die Rohstoffversorgung der Industrie wichtigen Massengutumschlag verzeichnen. Besonders bei Neufahrzeugen und Containern haben wir sehr gute Zuwachsraten gesehen. Insofern haben unsere Hafenbetriebe bereits gezeigt, dass sie mit steigenden Ladungsmengen bestens umgehen können und wenn wir für dieses Jahr weitere Steigerungen erfahren sollten, so sind uns diese mehr als willkommen. Verlässliche Prognosen sind aber sehr schwierig. Wir gehen insgesamt weiter von einem stabilen Umschlagsgeschäft in unseren Seehäfen aus, das sich auf alle Produktgruppen bezieht.

In den vergangenen Jahren haben viele private, niedersächsische Hafenunternehmen innerbetriebliche Prozesse gezielt optimiert und zudem nachhaltig in die Suprastrukturen an den niedersächsischen Standorten investiert und somit die Umschlagseffizienz erhöht. Auch für die Zukunft sind weitere Investitionen geplant. Zudem hat das Land Niedersachsen über seine Hafeninfrastrukturgesellschaft NPorts den bedarfsgerechten Ausbau der Seehäfen vorangetrieben und setzt momentan Baumaßnahmen um. Dies alles versetzt uns als Hafenmarketingorganisation in die Lage, auch künftig weltweit für noch mehr Umschlag in unseren niedersächsischen Seehäfen zu werben.

In Cuxhaven sind bereits zwei Expansionsprojekte im Hafen angelaufen – der Bau des Siemens-Werks samt Anleger und der lang erwartete Liegeplatz 4. Wo sehen Sie neue Ziele und Chancen für Cuxhaven?

Cuxhaven wird sich als das deutsche Offshore-Industrie-Zentrum etablieren. Wir gehen fest davon aus, dass sich im Zuge der Ansiedlung von Siemens, über die wir uns für die Cuxhavener wirklich riesig gefreut haben, weitere vor- und nachgelagerte Produktions- und Service-Betriebe für den Standort entscheiden werden. Die Umschlagsvolumen im Projekt- bzw. Offshore-Bereich dürften hierbei deutlich beflügelt werden. Durch die Fertigstellung des neuen Multipurpose-Piers Liegeplatz 4 werden sich auch der Automobilumschlag sowie der Umschlag rollender Ladung sehr positiv weiterentwickeln.

Cuxhaven ist bereits heute ein sehr bedeutender Short-Sea-Hub. Aufgrund seiner hervorragenden Lage und dem tiefen Fahrwasser könnte der Standort sich zukünftig auch verstärkt als Anlaufhafen weltweiter Deep-Sea-Verkehre im RoRo-Bereich etablieren.

 

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