LNG: Der Treibstoff der Zukunft

Interview mit Werner Repenning, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung bei Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG

Werner Repenning, copyright Niedersachsen PortsHerr Repenning, LNG (Liquefied Natural Gas) wird als der Schiffstreibstoff der Zukunft betrachtet. Welche Vorteile bietet er gegenüber herkömmlichem Treibstoff?

Seit dem 1. Januar 2015 gelten in den sogenannten SECA-Gebieten, den Schwefelüberwachungsgebieten in Nord- und Ostsee, verschärfte Grenzwerte für den Ausstoß von Schwefeloxiden aus Schiffsmotoren. Sie wurden von 1,0 auf nun 0,1 Prozent reduziert. Die Reeder haben im Grunde drei Möglichkeiten, auf diese verschärften Anforderungen zu reagieren. Sie können das deutlich teurere Marine Diesel Öl (MDO) für die Schiffsmotoren einsetzen oder Abgasreinigungsanlagen, sogenannte Scrubber, nachrüsten, um dann weiterhin minderwertigeren und damit preiswerteren Treibstoff einsetzen zu können. Die dritte Möglichkeit besteht darin, alternative und umweltfreundlichere Schiffsantriebe zu verwenden. Gasmotoren, wie auch Methanol-getriebene Schiffsmotoren, gehören zu diesen Alternativen.

Mit dem Einsatz von verflüssigtem Erdgas – LNG – können signifikante Emissionsreduktionen bei allen wesentlichen Luftschadstoffen wie Schwefeloxid, Stickstoff, Kohlendioxid und Feinstaub erreicht werden. Ein momentanes Hemmnis sind bei LNG-angetriebenen Schiffen die höheren Investitionskosten und gegebenenfalls ein Verlust an Frachtraum, da LNG-Tanks aufgrund ihrer besonderen Isolierung und zylindrischen Bauweise größer ausfallen als herkömmliche Tanks. Dennoch werden langfristig die Vorteile beim Einsatz von LNG als Schiffsantrieb überwiegen. Denn mit gasangetriebenen Schiffsmotoren können auch die zukünftig zu erwartenden Verschärfungen bei den Abgaswerten erfüllt werden. Darüber hinaus liegt der Bezugspreis von LNG unter dem von MDO. Da die US-amerikanische Gasindustrie zukünftig verstärkt LNG produzieren und auf dem Weltmarkt absetzen will, kann langfristig mit einer weiteren Senkung des Bezugspreises für LNG gerechnet werden. Das sind zwei wesentliche Faktoren, die für den Einsatz von LNG in der Schifffahrt sprechen.

Ein Ergebnis des LNG-Workshops, der Ende April in Cuxhaven stattfand, war, dass sich eine eigene LNG-Tankstelle in Cuxhaven zurzeit noch nicht lohnt. Trotzdem hat NPorts sein Interesse an der Schaffung einer LNG-Bunkermöglichkeit bekundet. Woraus begründet sich das Interesse?

Als Hafeninfrastrukturbetreiber stellen wir fest, dass sowohl Verbraucher als auch Produzenten von Waren vermehrt das Ziel nachhaltig hergestellter Güter verfolgen und eine Logistikkette fordern, die ebenfalls den Werten des Klima- und Umweltschutzes entspricht. Das hat auch Auswirkungen auf die Hafenwirtschaft und die Reeder, die auf die Forderungen der Verlader reagieren müssen.

Untersuchungen zur Entwicklung des Güterverkehrs kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Güterumschlagsmenge in den deutschen Seehäfen bis zum Jahr 2030 von 269 Mio. Tonnen im Jahr 2010  auf 468 Mio. Tonnen erhöhen wird, so die aktuelle Seehafenverkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums. Diese Entwicklung wird mit einer deutlichen Zunahme des Schiffsverkehres und der schiffsbezogenen Emissionen einhergehen. Nach der Verschärfung der Schwefelgrenzwerte zum Jahresbeginn werden bereits ein Jahr später, ebenso auf Grundlage der MARPOL-Bestimmungen, die Stickstoffemissionsgrenzwerte für neue Schiffe zusätzlich deutlich gesenkt. Mithilfe dieser Maßnahmen sollen rechtliche und politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, um einen umweltfreundlichen und nachhaltigen Schiffsverkehr zu gewährleisten. LNG als Schiffstreibstoff bietet die Möglichkeit, den rechtlichen und gesellschaftspolitischen Anforderungen an die Schifffahrt gerecht zu werden. Da es auch unser Bestreben ist, der Hafenwirtschaft in unseren Häfen beste Voraussetzungen zu bieten, um kundenfreundlich und lösungsorientiert arbeiten zu können, unterstützt NPorts die Einführung dieser zukunftsweisenden Technologie ausdrücklich. Insbesondere weil wir in unseren Häfen Cuxhaven und Emden schon in diesem Sommer zwei Fährschiffe mit LNG-Antrieb im Einsatz haben werden, liegt es in unserem Interesse, dass eine möglichst kostengünstige LNG-Bunkermöglichkeit unabhängig von Tankkraftwagen besteht. Eine feste LNG-Tankstelle in Cuxhaven muss hierbei nicht zwingend die Lösung sein. Denkbar und vermutlich schneller realisierbar wäre eine Bunkerbarge, die alle Häfen an der Unterelbe mit LNG versorgt.

Wie sehen Sie Deutschland im Vergleich zu den internationalen Nachbarn bei der Nutzung von LNG als Schiffstreibstoff?

Deutschland steht genauso wie alle anderen Länder am Anfang bei der Nutzung von LNG als Schiffstreibstoff. Lediglich die Norweger und Schweden sind hier schon einen Schritt weiter und verfügen über die meisten LNG-Schiffe. Aber auch die Niederländer sind sehr aktiv und arbeiten am Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur. Positiv unterstützt werden diese Bemühungen sicherlich durch die Tatsache, dass es in den Niederlanden bereits 250 LNG-betriebene LKW gibt. Aber auch in Deutschland nimmt das Thema zunehmend Gestalt an. Die niedersächsischen Reedereien AG Ems und Cassen Eils stellen mit ihren beiden Fährschiffen, die in den nächsten zwei Monaten in Fahrt kommen werden, die Pioniere beim Einsatz von LNG in der Schifffahrt dar. Die Planungen für landfeste Bunkerstationen in den Häfen Brunsbüttel, Hamburg und Bremerhaven sind ebenfalls schon weit fortgeschritten.

 

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