„Maritime Wirtschaft ist einer der wichtigsten Leitmärkte für Niedersachsen“

Interview mit Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Copyright: Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und VerkehrHerr Lies, die Bilanz der Niedersächsischen Seehäfen für 2014 zeigt einen klaren Aufwärtstrend. Welche Prognose haben Sie für die kommenden Jahre?

Die Maritime Wirtschaft ist einer der wichtigsten Leitmärkte für Niedersachsen. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die niedersächsischen See- und Binnenhäfen. Sie bilden die gesamte Vielfalt und Bandbreite des Hafenstandortes Niedersachsen ab und nehmen für den Logistikstandort Deutschland eine Schlüsselrolle ein. Unser Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Häfen zu sichern, auszubauen und zu stärken. Dabei stehen wir in einem engen Dialog und Austausch mit der Hafenwirtschaft und erarbeiten derzeit ein Perspektivpapier.

Es geht darum, die Häfen Niedersachsens zukunftsfest zu machen und die richtigen Investitionen zu tätigen. Die landeseigene Infrastrukturgesellschaft NPorts plant allein im Jahr 2015 rund 80 Millionen Euro in den Ausbau und den Erhalt der niedersächsischen Seehäfen zu investieren. Dabei setzt NPorts gemeinsam mit dem Land Schwerpunkte in den Bereichen Energie/Energiewirtschaft, Automobilindustrie, Agrarwirtschaft und Containerumschlag.

Um neue Kapazitäten für den Autoumschlag zu schaffen, werden 2015 z.B. der Dalbenliegeplatz im Amerikahafen in Cuxhaven ausgebaut sowie der Dalbenliegeplatz an der Emspier in Emden fertiggestellt. Planungen für den Großschiffsliegeplatz Emden werden fertiggestellt und damit Emdens Stellung, als zweitgrößter Automobilumschlagplatz in Deutschland, weiter gefestigt. In Brake, einer Hochburg für den Umschlag von Agrargütern, wird in 2015 der Südpier saniert und ein zweiter Großschiffsliegeplatz ausgebaut. In Cuxhaven gehen die Planungen zum Liegeplatz 4 mit Nachdruck weiter und wir wollen ihn zügig realisieren.

In der langfristigen Seeverkehrsprognose bis 2030 wird für alle norddeutschen Seehäfen ein durchschnittliches Wachstum von drei Prozent pro Jahr erwartet.

Allein der Containerumschlag aller deutschen Seehäfen wird sich insgesamt mehr als verdoppeln (+4,3% p.a.), wobei das Wachstum zum überwiegenden Teil in den beiden bestehenden Containerhäfen Hamburg und Bremerhaven sowie im neuen Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven stattfinden wird.

Wie würden Sie die zukünftigen Entwicklungschancen für Cuxhaven beurteilen?

Das Land hat den Hafen Cuxhaven in den letzten Jahren zum führenden Offshore-Basishafen an der deutschen Nordseeküste ausgebaut. Die vorhandenen Liegeplätze werden bereits intensiv für die Ausrüstung von Offshore-Windparks genutzt. Leider haben politische Entscheidungen in Berlin die hervorragende Perspektive gebremst. Mit dem neuen EEG und der Verlängerung des Stauchungsmodells sind wir aber wieder auf Kurs. Eine Erweiterung des Ausbauzustandes der bereits verfügbaren Liegeplätze erfordert weitere konkrete Ansiedlungsinteressenten, um die Hafeninfrastruktur nachfrageorientiert zu erweitern. Die Landesregierung wird auch weiterhin, auf Basis einer konkreten Standortentscheidung, den bedarfsgerechten Ausbau des Offshore-Terminals nachfrageorientiert und im notwendigen Zeitrahmen vorantreiben. Es gibt nicht viele Hafenstandorte in Europa, die so gute Bedingungen für die Ansiedlung von Unternehmen und für Umschlags- und Logistikprozesse der Offshore-Branche bieten. Zum Ausbau weiterer Flächen sind die Planungen für das Neubauprojekt Liegeplatz 4 durch ein Notifizierungsverfahren angestoßen. Demzufolge bin ich sehr optimistisch, dass sich Cuxhaven zu einem noch leistungsfähigeren Hafen entwickelt und eine starke Säule der maritimen Wirtschaft in Niedersachsen bleibt.

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Bilanzen wurde auch das „Hafen+“-Programm vorgestellt, welches ökologische, ökonomische und soziale Aktivitäten der Hafengesellschaften und Hafenwirtschaft umschließt. Inwieweit nimmt Niedersachsen mit der Einführung eines solchen Programms eine Vorreiterposition ein?

Die niedersächsischen Häfen entwickeln in ihrem jeweiligen Umfeld vielfältige und innovative Lösungen für eine nachhaltige Logistik. Diesen Mehrwert, der über die klassischen Leistungen eines Hafens für den Umschlag von Gütern und Rohstoffen hinausgeht, haben wir unter dem neuen Label „Hafen+“ zusammengefasst. Besonders ist, dass wir mit „Hafen+“ das Thema Nachhaltigkeit umfassend betrachten. Wir bieten keine Insellösungen sondern haben die Aktivitäten der Hafengesellschaften und der Hafenwirtschaft gebündelt dargestellt. Weiterhin werden wir zukünftig neben den klassischen ökologischen und ökonomischen auch die sozialen Aspekte berücksichtigen, Umwelt und Mensch in den Fokus rücken. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sind diese Maßnahmen von enormer Bedeutung.

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