Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Jahr neigt sich langsam zum Ende und die Adventszeit ist traditionell der Zeitpunkt, an dem man auf das Jahr zurückblickt: Was haben wir bisher geschafft, was wollen wir noch erreichen? Auch in diesem Jahr können wir eine positive Bilanz ziehen: Es geht weiter aufwärts mit dem Standort Cuxhaven.

Wie es sich für einen Mehrzweckhafen gehört, haben verschiedene Ladungsarten zu dem Erfolg beigetragen. So konnten im Bereich der Fährverkehre die Frachtvolumina konsolidiert werden, beim Automobilhandling rechnen wir mit einem moderaten Wachstum in der Größenordnung von fünf Prozent. Da die beteiligten Terminals nahe dem Kapazitätslimit operieren, wird hier signifikantes zukünftiges Wachstum erst nach der Realisierung der geplanten Erweiterung der Umschlag-kapazitäten möglich sein. Eine weitere wesentliche Rolle spielt auch der Massengutumschlag, der mit der Versorgung der Offshore-Wind Baustellen, aber auch der Materialbeschaffung für die Renovierung der Flächen des Flughafens Nordholz, gut beschäftigt war.

Ganz entscheidend für Cuxhaven war aber in 2014 auch die Offshore-Windenergie. Nachdem sich unser Standort in der Vergangenheit bereits einen Namen als Produktionshafen für Fundamente und Turmsegmente gemacht hatte, konnte sich Cuxhaven in diesem Jahr in Deutschland und Europa erfolgreich als Installations- und Servicehafen für Offshore-Wind Projekte etablieren. Hier möchte ich die herausragenden Projekte Amrumbank West und Meerwind Süd/Ost nennen, die über Cuxhaven realisiert wurden. Zum Beispiel wurden für den Windpark Amrumbank West Fundamentstrukturen für 80 Windenergieanlagen in Cuxhaven umgeschlagen, zwischengelagert sowie über das neue Offshore-Terminal verschifft. Es war eine starke Leistung, die die Mitglieder der Hafenwirtschaftsgemeinschaft hier gemeinsam vollbracht haben.

Seit diesem Jahr übernimmt Cuxhaven ebenfalls eine Schlüsselrolle in der Ver- und Entsorgung der sogenannten Hochspannungsgleichstrom-Übertragungs-Plattformen (HGÜ) von Siemens, die den von den Windturbinen erzeugten Wechselstrom für eine verlustarme Übertragung ans Festland in Gleichstrom umwandeln. Cuxhaven bietet für Aufträge dieser Art exzellente Voraussetzungen, auch aufgrund der geografischen Lage des Standorts. Die Plattformen in der Nordsee sind ohne eine längere Revierfahrt einfach und schnell zu erreichen. Der direkte Zugang an unsere Kajen sowie die Möglichkeit, die Schiffe umgehend nach dem Anlegen bearbeiten zu können, sind ebenfalls ideale Bedingungen. Hinzu kommt ein breit aufgestelltes maritimes Cluster, welches von Agentur- und Zolldienstleistungen über den Ladungsumschlag bis hin zu Sicherheitstrainings ein umfassendes Dienstleistungsangebot rund um die Offshore-Windenergie kompetent und effizient abdeckt.

Während wir aber noch mit der Abarbeitung der aktuellen Projekte beschäftigt waren und sind, herrschte bei den Investoren von Offshore-Windparks in den letzten zwei Jahren eine tiefe Verunsicherung bezüglich der zukünftigen politischen Rahmenbedingungen. Und hier meine ich insbesondere die hochgekochte  Diskussion über Strompreisbremsen, Einspeisevergütungen, Netzanschlüsse und so weiter. In der Folge wurden keine neuen Projekte freigegeben und das Ergebnis hiervon konnte und kann man immer noch in schlecht ausgelasteten Produktionsstätten und Offshore-Terminals an der deutschen Nordseeküste besichtigen.

Für die nächsten zwei bis drei Jahre hat die Bundesregierung mit der Novellierung des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) vorübergehend die lang geforderten, sicheren Rahmenbedingungen für den Ausbau von Offshore-Windparks geschaffen. Vorübergehend – denn für Offshore-Windparks wird ab 2019 voraussichtlich eine Ausschreibungspflicht eingeführt, deren Struktur und Mechanismus völlig ungeklärt sind und für die es noch viel Diskussionsbedarf gibt. Dies wird möglicherweise zu einer erneuten Zurückhaltung bei den Investoren führen, mit entsprechend fehlenden Projekten und Aufträgen für Produzenten und Häfen.

Gleichfalls negative Auswirkungen wird die 40-Prozent-Reduzierung des Ausbauziels der Offshore Windenergie bis zum Jahr 2030 zeigen. Namhafte Forschungsinstitute belegen mit Studien, dass der angestrebte 80-Prozent-Anteil von erneuerbarer Stromerzeugung für 2050 nur mit einem hohen Anteil an steter Regelmäßigkeit und damit grundlastfähigem Offshore-Windstrom zu schaffen ist. Auch lässt sich das mögliche Kostensenkungspotenzial nur mit einer verlässlichen und gehaltvollen Projektpipeline erreichen. Und es gibt weitere gute Gründe für einen starken Ausbau der Offshore-Windenergie. Die hohe Zuverlässigkeit der Stromerzeugung wegen des vergleichsweise stark und konstant blasenden Winds auf See, die Reduzierung der Abhängigkeit von importierten Brennstoffen und nicht zuletzt die Sicherung der Technologieführerschaft und damit von tausenden, qualifizierten Arbeitsplätzen. Mit der jetzt in Deutschland verabschiedeten Reduzierung des Ausbauziels 2030 um 40 Prozent wird diese junge Industrie stattdessen erheblich geschwächt.

Wir in Cuxhaven merken das direkt: in den Produktionsbetrieben, im Seehafen, bei den maritimen Dienstleistern, aber nachgelagert auch in der Gastronomie und dem Einzelhandel. Entsprechend erwarten und fordern wir gemeinsam mit anderen Verbänden von der Bundesregierung zumindest die Rückkehr zu dem alten Ausbauziel von 25 GW in 2030.

Im nun fast abgelaufenen Jahr hat die Offshore-Windindustrie große Fortschritte gemacht und ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Hierzu hat auch das Netzwerk der HWG einen wichtigen Beitrag geleistet. Investoren in die Offshore-Windenergie wissen heute, dass sie in Cuxhaven leistungsfähige Partner, und dank der Unterstützung der Niedersächsischen Landesregierung auch eine exzellente Infrastruktur für ihre Projekte vorfinden.

Und genau dort wollen wir auch im kommenden Jahr weitermachen. Mit der Absichtserklärung zum Bau des Liegeplatzes 4 der Umschlagsanlage Europakai konnte im Februar der Grundstein für weiteres Wachstum und Arbeitsplätze am Standort gelegt werden. Die Gespräche zum Bau des dringend benötigten zusätzlichen Mehrzweck-Liegeplatzes werden auch in den nächsten Monaten fortgesetzt.

Cuxhaven muss seine Potenziale ausschöpfen und dafür wird sich die Hafenwirtschaftsgemeinschaft auch im kommenden Jahr einsetzen. Lassen Sie uns die positive Entwicklung der vergangenen Jahre gemeinsam fortführen und zukunftsorientiert gestalten.

Ich wünsche uns allen für das neue Jahr viel Erfolg und Tatkraft.

Ihr

Hans-Peter Zint

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