Mensch-über-Bord-Training im Hafenbecken

Interview mit Rolf Fremgen, Leiter des Sea Survival Center Cuxhaven und Teilhaber des Offshore Safety Trainingscenter Cuxhaven (O.S.T. Cuxhaven GmbH & Co.KG)

Herr Fremgen, Sie leiten seit 2004 das Sea Survival Center Cuxhaven (SSCC). Wieso ist das Absolvieren eines Sicherheitstrainings so wichtig? Welche Kurse bieten Sie an?

Grundsätzlich gilt – egal ob On- oder Offshore: Wer eine Windanlage betritt, hat ein spezielles Sicherheitstraining zu absolvieren. Das gilt für jeden, vom Ingenieur bis zum Wartungspersonal. Die Sicherheitskurse für On- und Offshore Personal sind meist durch die Berufsgenossenschaft vorgegeben und umschließen Grundkurse, die fünf Tage dauern, Kurse von drei Tagen Dauer und eintägige Refresherkurse, die jährlich absolviert werden müssen. Alle Ausbildungsmodule können natürlich auch einzeln gebucht werden.

Die Teilnehmerzahl ist auf zwölf Personen begrenzt und es gibt einen Ausbilder für jeweils zwei Teilnehmer, damit die sichere Vermittlung des Unterrichtstoffes gewährleistet wird. Das Sicherheitstraining ist wichtig, da Windkraftanlagen spezielle Bedingungen mit sich bringen. Die Sicherheit und Rettung auf einer Anlage beinhaltet zum Beispiel das Klettern am Turm, das Überleben auf hoher See oder gar die Rettung aus einem ins Meer gestürzten Helikopter, die Brandbekämpfung und das seemännische Übersteigen vom Schiff zur Anlage aber auch von Schiff zu Schiff. All das kann bei uns gelernt und in der Praxis geübt werden.

Meine Ausbildung und Erfahrungen in der Sicherheit und Rettung und der Wunsch, meinen Ruhestand sinnvoll zu nutzen, brachten mich nach 35 Jahren Dienstzeit bei der Bundeswehr zur Gründung des SSCC. Zusammen mit meinem zwölfköpfigen Team bieten wir Kurse im Überleben auf See, Helicopter-Escape-Training, Schiffssicherheit, Steigen und Retten (für On- und Offshore Windanlagen) sowie Versetztraining (z.B. das Übersteigen vom Boot zur Windanlage) an. Die speziellen Kurse für On- und Offshore Windanlagen werden auch in Verbindung mit dem Offshore Safety Trainingscenter Cuxhaven durchgeführt, an dem ich ebenfalls Teilhaber bin.

Wieso bietet sich Cuxhaven als Standort für ein solches Trainingscenter an?

Wer von Offshore spricht, muss auch „Offshore“, also an die Küste, gehen. Cuxhaven bietet durch seine geografische Lage an der Elbemündung und als Offshore-Basishafen den idealen Platz für ein Sicherheits-Trainingscenter. Reale Bedingungen spielen im Training eine große Rolle, und so führen wir zum Beispiel auch Mensch-über-Bord-Training im Hafenbecken durch, aber auch Versetztraining an der Bake „Golf“, die wir mit der Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtamts Cuxhaven nutzen dürfen. Natürlich profitieren auch die in Cuxhaven ansässigen Unternehmen von der Ausbildungsstätte. Wir sind sehr flexibel und können auch für kurzfristig gebuchte Kurse Termine finden – das zeichnet uns aus und ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Die angebotenen STCW (Standards of Training, Certification and Watchkeeping) Refresherkurse für Schiffsbesatzungen führen wir in Zusammenarbeit mit dem Cuxhavener Kapitän und Manager des IMCS (Independent Marine Consultants and Surveyors), Burkhard Rasch, durch. Diese haben eine Dauer von vier Tagen und ähnliche Lehrinhalte wie die bereits genannten Kurse. 2013 hatten wir nationale und internationale Schiffsbesatzungsmitglieder in Cuxhaven zur Schulung.

Welche aktuellen Entwicklungen und neuen Projekte gibt es?

Für das Offshore Safety Trainingscenter Cuxhaven (O.S.T.) wurde im Oktober 2013 ein Übungsturm für die praktischen Übungen, beispielsweise dem Steigen und Retten, fertiggestellt. Zurzeit befindet sich eine neue Wasserübungshalle im Bau, die voraussichtlich ab März 2015 sowohl für das SSCC als auch für das O.S.T. zur Verfügung steht. Ganz neu ist auch die Schulung in der Nutzung von Notatemgeräten (HEED = Helicopter Emergency Egress Devices), die in Verbindung mit dem Helicopter-Escape-Training ab Dezember 2014 ins Programm mitaufgenommen wird.

Trotz „Flaute“ in der Windenergie gibt es weiterhin eine Konstanz in den Lehrgängen. Gegenüber dem Vorjahr haben wir sogar einen leichten Anstieg, also fünf bis sechs Lehrgänge mehr als 2013, verzeichnen können. Denn auch wenn die Windanlagen fertig gestellt sind, müssen diese weiter gewartet und in Stand gehalten werden. Das Konzept des Sicherheits-Trainingscenters in Cuxhaven ist also durchaus nachhaltig und wird auch in Zukunft erhalten bleiben.

Während des Schiffsevakuierungs-Trainings bilden die zwölf Teilnehmer zwei Gruppen, um im Zusammenhalt die Auskühlung zu vermeiden. Das Training findet im Fährhafen statt, im Hintergrund ist rechts der Übungsturm zu sehen.

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