Wulfs Offshore Taxi

Interview mit Sören Wulf, Geschäftsführer der Otto Wulf GmbH & Co. KG

Herr Wulf, wie schätzen Sie das Potenzial der Offshore-Branche in Cuxhaven für Ihr Unternehmen ein?

Diese durchaus junge Branche hat für Cuxhaven große Bedeutung erlangt. Mit den verschiedenen Windparks vor der Nordseeküste ist eine Wertschöpfungskette entstanden, in der auch unser Unternehmen einen Platz eingenommen hat. Wir lieferten unter anderem mit unseren Schleppern in den letzten Jahren bereits Schwerlastteile für die Windparks. Für Bard Offshore transportierten wir mit Schlepper und dem Ponton „T.O.W.III“ alle Stützkreuze für die Fundamente der Windenergieanlagen. Und für den Windpark Global Tech 1 haben wir sämtliche Flügel mit unserem Spezialschiff MV KUGELBAKE transportiert. Die Offshore-Windenergie bietet damit auch für ein mittelständisches Unternehmen wie unseres großes Potenzial.

Irgendwann sind die Windparks errichtet und einsatzbereit. Wie geht es für die Otto Wulf GmbH dann weiter?

Die Arbeiten an einem Offshore-Windpark hören nicht mit der Fertigstellung auf. Die Windenergieanlagen müssen in regelmäßigen Abständen gewartet und Inspektionen inklusive Taucheinsätzen durchgeführt werden. Um da mithalten zu können, haben wir das Projekt Leichtbaukatamaran mit dem Namen „Baltec A240“ in Angriff genommen. In Zusammenarbeit mit dem Zehn-Mann-Team des Lübecker Bootsmeisters und Schiffsdesigners Stefan Schulz, Geschäftsführer der BaltecShip Design GmbH, konnten wir den Bau des Schiffs realisieren. Es besteht aus 35 mm starken Glasfaser-Epoxy-Prepreg-Platten mit einem festen Schaumkern und dünner Glasfaserbeschichtung.

Wie kann ein mittelständisches Unternehmen wie die Otto Wulf GmbH & Co. KG solch ein Projekt realisieren?

Wir gründeten für das „Offshore-Taxi“ eine eigene Tochterfirma mit dem Namen H&W Offshore Service GmbH. Hinter dem Unternehmen stehen neben meinem Cousin Andreas Wulf und mir auch Hans-Jürgen Hartmann vom Unternehmen Mibau, Valerio Becker und Anton Baraev (WP Offshore). Um innovative Dinge herzustellen, muss man gemeinsam den ersten Schritt gehen. Diese Zusammenarbeit bietet verschiedene Denkansätze, die letztlich zu einem optimalen Ergebnis führen. Zusammen trägt man das finanzielle Risiko, teilt zugleich auch den Erfolg.

In Bezug auf die Wartung eines Offshore-Windparks – Welche Vorteile bietet solch ein Leichtbaukatamaran?

Durch seine Herstellungsweise ist das Schiff extrem leicht und hat dennoch ein stabiles Seegangsverhalten, sodass es selbst einem Wellengang bis vier Meter Höhe standhalten kann. Die „Baltec A240“ braucht durch ihr geringes Gewicht weniger starke Motoren und hat daher nur einen angestrebten Verbrauch von sechs Liter Diesel pro nautischer Meile bei 20 Knoten Marschfahrt. Dank der „leichteren“ Motorisierung benötigt man zudem keinen Maschinisten. Der bis zu 27 kn schnelle Katamaran ist mit einem Dynamic Positioning System (DP) ausgerüstet und kann somit vielseitig eingesetzt werden. Dementsprechend kann somit die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb des Rahmens von Wartung, Inspektion und Serviceleistungen an den Windenergieanlagen abgedeckt werden.

Kernstück dieses Schiffes ist ein neues und innovatives wellenkompensierendes Übersteigesystem (Rolling Jack). Die Übersteigeplattform gleicht den Wellengang des Schiffes beim Übertritt auf eine starre Offshore-Anlage aus. Damit erhöhen wir in einem erheblichen Maße die Sicherheit des Servicepersonals.

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