Interview mit Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin Seaports of Niedersachsen

Frau Onnen-Lübben, wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung der niedersächsischen Seehäfen?

Grundsätzlich zeigen die Seehäfen in Niedersachsen eine sehr positive Entwicklung. Wichtige wertschöpfungs- intensive Geschäftsbereiche, wie etwa der Automobilumschlag oder der Umschlag von Windenergiekomponenten aus dem Onshore- und Offshorebereich, konnten im ersten Halbjahr 2014 deutlich ausgebaut werden. Dazu hatten wir sehr gute Ergebnisse im Agrargütersektor. Als Hafengruppe kommen wir im ersten Halbjahr 2014 insgesamt zwar auf ein kleines Minus von 2 Prozent im Seegüterumschlag, doch ist dieser in erster Linie durch fehlende Mengen bei Massengütern, vor allem Rohöl, bedingt. Diese Umschläge unterliegen konjunkturellen Schwankungen: Es wird eben nur so viel Rohöl angeliefert, wie die angeschlossenen Raffinerien auch für ihre Produktion abnehmen. Zudem haben sparsamere Motoren und optimierte Heizmöglichkeiten das Absatzpotential in Europa insgesamt verringert. Trotzdem wird der Rohölumschlag weiterhin auf hohem Niveau sein, da die modernen Raffinerien in Europa eine hohe Effizienz aufweisen und daher am Markt erfolgreich bleiben werden. In unseren Umschlagsstatistiken, die in Tonnen ausgewiesen werden, macht sich das Fehlen von Massengütern natürlich sehr schnell bemerkbar. Im Gegensatz dazu beeinflusst z.B. der Umschlag von „leichten“ Windenergiekomponenten oder Pkw, mit dem aber viel Beschäftigung verbunden ist, die Tonnenstatistik leider nur marginal. Aber diese ist nun mal der Maßstab um sich mit anderen Seehäfen zu vergleichen.

Für das zweite Halbjahr sind wir optimistisch gestimmt. Die Umschlagsunternehmen in unseren Häfen berichten uns von steigender Kundennachfrage und einem zufriedenstellenden Auftragsniveau.

Für welche Branchen bzw. Ladungsarten sehen Sie das größte Wachstumspotenzial?

Ich denke, dass z.B. der Offshore-Bereich mittelfristig wieder gute Perspektiven bietet. Bis 2020 sieht das neue EEG-Gesetz einen Ausbau der Offshore-Windenergie auf 6,5 GW vor, bis Ende 2015 sollen davon 3 GW, also etwa die Hälfte, installiert worden sein. Momentan ist laut der Windenergieagentur WAB in Deutschland Offshore-Windenergieleistung von rund 3.300 Megawatt in Bau, fertiggestellt oder bereits am Netz. Es fehlen dann aber immer noch etwa 3 GW, die bis 2020 installiert werden sollen. Wir gehen davon aus, dass mit dem neuen EEG-Gesetz die Planungssicherheit wieder hergestellt worden ist und daher weitere Offshore-Projekte bald umgesetzt werden. Wir stehen mit unseren Offshore-Häfen in Niedersachsen hierfür bereit, denn neben leistungs- und vor allem schwerlastfähigen Infra- und Suprastrukturen, die unsere Seehäfen in Niedersachsen bieten, haben unsere Hafenunternehmen bei vergangenen Projekten wertvolle Erfahrungen sammeln und ihr Know-how ausbauen können. Zu bedenken ist dabei aber, dass die Logistik praktisch als letzter Teil eines Projekts angesehen werden muss. Wenn also Offshore-Projekte aufgrund des neuen EEG demnächst wieder angestoßen werden, müssen zunächst Finanzierungsfragen geklärt und die Produktion angestoßen werden, so dass diese Projekte dann zeitversetzt in der Logistikbranche und damit in unseren Häfen ankommen.

Wichtig bleibt auch das Thema Onshore-Windenergie, das sich vom Geschäft mit der Offshore-Logistik deutlich unterscheidet. Die Produktion von Onshore-WEA ist mittlerweile eine Serienfertigung, die in den vergangenen Jahren herstellerseitig immer weiter optimiert worden ist. Genauso haben die Hafenumschlagsunternehmen in unseren Standorten in Niedersachsen ihre Logistikprozesse weiterentwickelt. Die Perspektiven für weitere Mengensteigerungen im Onshore-Bereich sind für alle unsere Häfen weiterhin durchaus positiv.

Auch für den Automobilsektor sehen wir weiterhin Wachstumspotential, genauso wie für Stückgüter, wie Forstprodukte oder Eisen und Stahl und natürlich den Massengutbereich, hier insbesondere Agrargüter. Und ich bin überzeugt, dass wir in einigen Jahren auch im Containerbereich deutlich steigende Umschlagszahlen verbuchen werden.

Welche Großveranstaltungen im In- und Ausland stehen bei Ihnen im diesem Jahr noch auf der Agenda?

Im Augenblick bereiten wir den 24. Niedersächsischen Hafentag in Papenburg vor, den wir am 10. September veranstalten. Bei diesem Branchentreff werden regelmäßig die Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen für die Seehäfen in Niedersachsen intensiv diskutiert.

Vom 23. – 26. September stellen wir dann die Angebote und Leistungen der Seehäfen für die Windenergie-Branche auf der WindEnergy Hamburg mit einem Seaports-Messestand vor. Zahlreiche Unternehmensvertreter aus der Hafenwirtschaft in Niedersachsen werden unseren Stand in Halle B5 (Standnummer B5.118) nutzen um den Dialog mit der Branche weiter voranzutreiben. Unsere Kollegen von Niedersachsen Ports haben wir erneut in das Standkonzept mit eingebunden. Gemeinsam können wir den hoffentlich zahlreichen Besuchern die bereits vorhandenen Strukturen, unsere umfangreichen Erfahrungen und die großen Potentiale der niedersächsischen Seehäfen im Windenergie-Bereich erläutern.

Anschließend werden wir die niedersächsischen Seehäfen wieder auf der Breakbulk Americas in Houston / USA präsentieren, die vom 30. September – 2. Oktober stattfindet. Gemeinsam mit den Hafenstandorten Bremen / Bremerhaven und Hamburg treten wir hier unter der Dachmarke „German Ports“ auf. Wir hoffen wieder auf gute Gespräche mit Reedern, Spediteuren und Verladern aus dem Breakbulk-Bereich, denen wir in unseren Seehäfen in Niedersachsen hervorragende Bedingungen für Handling und Lagerung ihrer Güter bieten.

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