Exklusivinterview mit Tobias Griesshaber, Project Manager, RWE Innogy GmbH

Herr Griesshaber, gemeinsam mit Partnern validieren Sie gerade am Standort Cuxhaven-Altenwalde die Vibrationstechnik für Offshore-Pfahlgründungen in einem viermonatigen Pilotprojekt mit dem Namen VIBRO. Sitzen die einvibrierten Pfähle so fest im Boden wie standardmäßig gerammte Pfähle?

Genau das wollen wir in dem Pilotprojekt herausfinden. Wir haben in den letzten Wochen drei Testfundamente durch Vibration in den Untergrund eingerüttelt, drei weitere Fundamente mit dem herkömmlichen Schlagrammverfahren installiert. Im August werden wir beide Techniken miteinander vergleichen und untersuchen, ob die Standfestigkeit beider Verfahren gleichwertig ist. Das heißt, ob die Bodeneigenschaften in beiden Fällen die Windturbinen sicher gegen Wind und Welle über 25 Jahre Betriebszeit im Meeresboden verankern. Wir werden uns voraussichtlich Ende des Jahres zu den Ergebnissen äußern können.

Welche Vorteile ergeben sich durch das neue Rammverfahren für die Offshore-Windenergie?

Wir erhoffen uns mit der Vibrationstechnik eine Kostenersparnis für den Bau von Offshore-Windparks und setzen damit ein wichtiges Signal in der Branche. Denn das Verfahren Pfähle einzurütteln ist schneller als das Schlagrammverfahren. Zudem ist die Technik wesentlich schallärmer, was insbesondere geschützten Meeressäugern wie Schweinswalen zugutekommt. Wenn sich das Verfahren also ebenso effizient wie das Schlagrammverfahren erweist, könnten künftige Offshore-Projekte bei der Installation der Stahlpfähle von diesen Vorteilen profitieren.

Warum wurde der Standort Cuxhaven-Altenwalde für die Tests ausgewählt?

Die Sandgrube in Cuxhaven-Altenwalde eignet sich hervorragend für das Projekt, da hier nordseeähnliche Bodenbedingungen vorherrschen. So ist die Realitätsnähe durch die dichte Lagerung der Sande und durch einen etwa zwei Meter unter Geländeoberkante stehenden Grundwasserspiegel gegeben. Damit lassen sich die Ergebnisse für einen Großteil aller in der Nordsee in Planung befindlichen Offshore-Windparks übertragen, was die Tests umso aussagekräftiger macht.

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