Interview mit Cuxhavens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Getsch über den drängenden Infrastrukturausbau am Hafen, Offshore-Projekte und die neue Zentrale der deutschen Krabbenfischer, die sich am Standort ansiedelt.

Herr Dr. Getsch, wie voll sind die Auftragsbücher am Hafen?

Dr. Ulrich Getsch: Unsere Auftragsbücher sind voll, die Kunden – vor allem aus der Automobilbranche – drängeln sich an unseren Standort. Unsere Hafengesellschaft Cuxport konnte 2012 gleich 6,4 Prozent mehr PKW und Nutzfahrzeuge umschlagen. Auch die BLG LOGISTICS GROUP profitiert an ihrem Autoterminal von dem Boom beim Fahrzeugumschlag. In diesem Segment sind wir sehr gut ausgelastet. Wir könnten hier noch viel Umsatz generieren, wenn wir zusätzliche Flächen hätten, vor allem aber, wenn uns endlich der Liegeplatz 4 zur Verfügung stünde. Das Land muss jetzt mehr Tempo für den Bau des Liegeplatzes machen, schließlich liegt bereits seit Mai vergangenen Jahres der Planfeststellungsbeschluss vor. Die Gespräche über die 35-Millionen-Euro-Finanzierung des Liegeplatzes 4 müssen jetzt zügig abgeschlossen werden. Andernfalls können wir schlichtweg keine neuen Kunden gewinnen. Übrigens: Auch am Europakai müssen dringend neue Liegeplätze entstehen, um mit dem wachsenden Umschlagvolumen Schritt halten zu können.

Von der Offshore-Wind-Branche hört man momentan nicht viel Gutes. Wie läuft es in Cuxhaven?

Wir haben durchaus gute Nachrichten. Anfang Juli verließ das letzte Transition Piece für den Windpark „Meerwind Süd│Ost“ die Produktionshalle von AMBAU in Cuxhaven. Damit haben AMBAU, aber natürlich auch der Standort Cuxhaven einen wichtigen Beitrag zur pünktlichen Fertigstellung eines der ersten kommerziellen Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee geleistet. Durch die 80 Windenergieanlagen in diesem Offshore-Windpark sollen schon bald bis zu 288 Megawatt in das Stromnetz eingespeist und so 360.000 Haushalte mit sauberer Energie versorgt werden. Darauf können wir alle sehr stolz sein.

Was gibt es Neues von den anderen Industrien vor Ort?

So wie sich die deutschen Frischfischkutter bereits seit Jahren gemeinsam aufgestellt haben, so werden auch alle deutschen Krabbenfischer ab September in einer Erzeugergemeinschaft organisiert sein. Auf diese Weise kann man nachhaltigen Einfluss auf den Erzeugerpreis nehmen. Das Tolle für unseren Standort ist, dass sich die zentrale Organisation der Krabbenfischer in Cuxhaven ansiedeln wird. Hier bei uns wird es dann auch eine eigene Siebstation geben, in der Halle IX, gleich neben der Kutterfisch-Produktion. Zwei andere Siebanlagen werden in Neuharlingersiel und in Büsum eingerichtet. Künftig werden dann die Fänge aller 17 deutschen Anlandehäfen zu einer der drei Siebstationen gefahren und anschließend dem Handel zur Verfügung gestellt. Dass Cuxhaven hier eine zentrale Rolle spielen wird, ist ein enormes Signal für die traditionsreiche Fischwirtschaft an unserem Standort.

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